Dieser Artikel ist eine allgemeine Information und keine medizinische Beratung. Frag deine Hebamme oder Frauenärztin zu deiner Schwangerschaft und deinen Untersuchungen.
Im Ultraschall erkennt man das Geschlecht an den Genitalien: In der frühen Schwangerschaft am Winkel eines kleinen Höckers zwischen den Beinen, ab dem zweiten Drittel direkt an Penis und Hodensack oder an den Schamlippen. Ab der 13. Woche liegt die Trefferquote in Studien bei 99 bis 100 Prozent, wenn das Baby gut liegt; davor wird oft falsch getippt. In Deutschland darf dir die Ärztin das Geschlecht ohnehin erst nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche sagen.
Was die Ärztin auf dem Bildschirm sucht
Die Zeichen ändern sich mit der Schwangerschaftswoche, weil sich die Genitalien erst entwickeln. Eine Übersichtsarbeit von Odeh und Kollegen (2009) beschreibt die wichtigsten Merkmale.
Früh, etwa 11. bis 14. Woche: der Winkel des Genitalhöckers. Jungen und Mädchen haben zunächst denselben kleinen Höcker zwischen den Beinen, aus dem später Penis oder Klitoris werden. Die Ärztin betrachtet das Baby im Profil, genau von der Seite. Stell dir eine Linie vor, die am unteren Rücken entlang auf der Haut verläuft:
- Zeigt der Höcker in einem Winkel von mehr als 30 Grad nach oben, spricht das für einen Jungen.
- Liegt er parallel zu dieser Linie oder zeigt nach unten (unter 30 Grad), spricht das für ein Mädchen.
So haben es Efrat und Kollegen (1999) in ihrer Studie definiert. Auf diesem Prinzip beruht auch die Nub-Theorie, die in Foren kursiert.
Ab dem zweiten Drittel: die Anatomie selbst. Später sieht die Ärztin die Genitalien direkt. Laut Odeh helfen dabei:
| Bei Jungen | Bei Mädchen |
|---|---|
| Hodensack, später mit den abgestiegenen Hoden | die Schamlippen, im Bild als parallele Linien |
| der Penis mit seiner Mittellinie | die Gebärmutter |
| die Richtung des Urinstrahls beim Wasserlassen |
Dafür muss das Baby mitspielen. Schlägt es die Beine übereinander oder dreht es sich weg, bleibt die Frage offen. Der britische Gesundheitsdienst NHS weist darauf hin, dass sich das Geschlecht nicht immer bestimmen lässt.
Wie sicher ist das Ergebnis? Treffer nach Woche
Je später, desto sicherer. Die folgenden Zahlen stammen aus Studien, in denen erfahrene Untersuchende live am Gerät tippten und das Ergebnis nach der Geburt überprüft wurde.
| Zeitpunkt | Ergebnis | Quelle |
|---|---|---|
| vor der 12. Woche | 54 % richtig | Kearin und Kollegen, 2014 |
| 11. Woche | 70,3 % richtig | Efrat und Kollegen, 1999 |
| 12. Woche | 98,7 % richtig | Efrat und Kollegen |
| 13. Woche | 100 % richtig | Efrat und Kollegen |
| 11. bis 14. Woche gesamt | 75 % richtig; 91 %, wenn ein Tipp möglich war | Kearin und Kollegen |
| nach der 14. Woche | 100 % richtig | Kearin und Kollegen |
| nach der 13. Woche, bei unauffälligen Genitalien | 99 bis 100 % | Odeh und Kollegen, 2009 |
Zwei Dinge sind beim Lesen wichtig. Erstens: „richtig, wenn ein Tipp möglich war“ ist etwas anderes als „richtig insgesamt“. Eine gute Untersucherin sagt lieber „heute nicht zu sehen“, als zu raten. Zweitens: Diese Werte gelten für erfahrene Fachleute am laufenden Gerät. Ein Ausdruck, den jemand später im Internet deutet, erreicht sie nicht.
Für dich bedeutet das: Beim zweiten Basis-Ultraschall zwischen der 19. und 22. Woche ist das Ergebnis sehr verlässlich, wenn das Baby gut liegt. familienplanung.de schreibt, dass dieser Termin ein sicheres Ergebnis bringt.
Warum ein früher Tipp oft korrigiert wird
Früh liegen die Fehler fast immer auf derselben Seite: Jungen werden für Mädchen gehalten. In der Studie von Efrat wurden in der 11. Woche 56 Prozent der Jungen als Mädchen eingestuft, in der 12. Woche noch 3 Prozent, in der 13. Woche keiner mehr. Umgekehrt galten nur 5 Prozent der Mädchen in der 11. Woche fälschlich als Junge.
Der Grund ist das Wachstum. Bei Jungen richtet sich der Genitalhöcker mit der Zeit immer steiler auf, bei sehr jungen Feten ist der Winkel noch flach und sieht aus wie bei einem Mädchen. Auch Kearin und Kollegen fanden, dass Jungen unter 13 Wochen am häufigsten falsch oder gar nicht zugeordnet wurden.
Weitere Gründe für Korrekturen:
- Die Lage. Ein exaktes Profil ist nötig, schon eine leichte Drehung verfälscht den Winkel.
- Die Erfahrung. Kearin und Kollegen stellten statistisch messbare Unterschiede zwischen einzelnen Untersuchenden fest.
- Sehr selten: eine Fehlbildung. Odeh beschreibt einen Fall, in dem ein Junge mit einer Fehlbildung der Harnröhre in der 14. Woche wie ein Mädchen aussah (Odeh und Kollegen, 2008).
Wenn du in der 12. Woche einen Tipp bekommst, behandle ihn als Tipp. Den Kinderzimmer-Anstrich hebst du dir besser bis nach dem zweiten Basis-Ultraschall auf.
Ab wann darf dir die Ärztin das Geschlecht sagen?
In Deutschland regelt das § 15 Gendiagnostikgesetz. Wird bei einer vorgeburtlichen Untersuchung das Geschlecht festgestellt, „kann dies der Schwangeren mit ihrer Einwilligung nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche mitgeteilt werden“. Das gilt ausdrücklich auch für „sonstige vorgeburtliche Untersuchungen“, also auch für den Ultraschall. Das Portal familienplanung.de formuliert es so: „Vor der 14. Woche dürfen die Untersuchenden den Eltern das Geschlecht nicht verraten.“
Wenn du es nicht wissen willst, sag das vor der Untersuchung. Das rät das Merkblatt zur Mutterschafts-Richtlinie ausdrücklich. Für eine Gender Reveal Party kannst du die Ärztin bitten, das Ergebnis in einen Umschlag zu stecken.
Neben dem Ultraschall gibt es Bluttests, die Erbgut des Babys im Blut der Mutter untersuchen. Eine Meta-Analyse im JAMA fand Bluttests sehr treffsicher; Tests mit Urin und Tests vor der 7. Woche waren dagegen unzuverlässig (Devaney und Kollegen, 2011). Auch beim Bluttest gilt die Regel des Gendiagnostikgesetzes. Welche Wege es gibt und wann, erklärt Geschlecht des Babys: ab wann?.
Ultraschallbilder selbst deuten: was geht und was nicht
In Foren posten viele Eltern ihr Bild aus der 12. Woche und fragen: Junge oder Mädchen? Die Antworten widersprechen sich oft, und das hat Gründe. Auf einem Ausdruck fehlt die Bewegung, der genaue Winkel des Schnitts ist unbekannt, und ein einzelnes Standbild kann den Höcker verdecken oder verzerren. Die Studien oben zeigen, dass selbst Fachleute am Gerät vor der 13. Woche häufig falsch liegen.
Wenn du dein Bild trotzdem anschaust: Achte darauf, ob es ein exaktes Profil ist, ob der untere Rücken als gerade Linie zu sehen ist und ob der Höcker überhaupt deutlich abgebildet ist. Fehlt eines davon, ist jede Deutung Raterei. Wie man ein Ultraschallbild überhaupt liest, erklärt Ultraschallbild lesen.
Raten ohne Ultraschall: ein Spiel mit klarer Ansage
Wer das Geschlecht nicht kennt oder es sich bewusst bis zur Geburt aufhebt, rät trotzdem gern mit. Die iPhone-App SeeMyBaby macht daraus eine kleine Gender Reveal Party: Ihr zieht an der Schleife einer Geschenkbox, ein Trommelwirbel läuft, und nach dem Kauf der Gender-Option steigen rosa oder blaue Ballons mit Konfetti auf. Das ist keine Geschlechtsbestimmung und kein Ersatz für den Ultraschall, sondern ein verspielter KI-Tipp, nur zum Spaß, kein medizinisches Ergebnis. Kennst du das Geschlecht schon, gibst du es in der App an, dann wird nicht geraten.
Wie gut andere Methoden abschneiden, vom Herzschlag bis zum Ringtest, steht in Junge oder Mädchen? 15 Ammenmärchen und Mädchen oder Junge Test. Alle Artikel findest du im SeeMyBaby-Blog.
Quellen
- Efrat Z, Akinfenwa OO, Nicolaides KH: First-trimester determination of fetal gender by ultrasound. Ultrasound in Obstetrics & Gynecology, 1999.
- Kearin M, Pollard K, Garbett I: Accuracy of sonographic fetal gender determination. Australasian Journal of Ultrasound in Medicine, 2014.
- Odeh M et al.: Sonographic fetal sex determination. Obstetrical & Gynecological Survey, 2009.
- Odeh M, Ophir E, Bornstein J: Hypospadias mimicking female genitalia on early second trimester sonographic examination. Journal of Clinical Ultrasound, 2008.
- Devaney SA et al.: Noninvasive fetal sex determination using cell-free fetal DNA. JAMA, 2011.
- § 15 Gendiagnostikgesetz, gesetze-im-internet.de.
- Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit: Ultraschall-Untersuchungen in der Schwangerschaft, familienplanung.de.
- Gemeinsamer Bundesausschuss: Mutterschafts-Richtlinie, Anlage V.
- NHS: Ultrasound scans in pregnancy.
Fragen, die Eltern stellen
Ab welcher Woche kann man das Geschlecht im Ultraschall sicher erkennen?
In Studien lag die Trefferquote ab der 13. Woche bei 99 bis 100 Prozent, wenn das Baby gut lag. Mitgeteilt werden darf es in Deutschland erst nach Ablauf der zwölften Schwangerschaftswoche; meist erfährst du es beim zweiten Basis-Ultraschall zwischen der 19. und 22. Woche.
Kann man sich beim Geschlecht im Ultraschall irren?
Ja, vor allem früh. In der 11. Woche wurde in einer Studie mehr als jeder zweite Junge für ein Mädchen gehalten. Ab der 13. Woche und im zweiten Drittel sind Irrtümer selten, aber möglich, etwa wenn das Baby ungünstig liegt.
Wie sieht ein Junge im Ultraschall aus, wie ein Mädchen?
Früh entscheidet der Winkel des Genitalhöckers: steil nach oben spricht für einen Jungen, flach für ein Mädchen. Später sieht man bei Jungen Hodensack und Penis, bei Mädchen die Schamlippen als parallele Linien.
Ist das Geschlecht in der 12. Woche schon sicher?
Nein. In einer Studie lagen erfahrene Untersuchende in der 12. Woche bei 98,7 Prozent, in einer anderen vor der 12. Woche nur bei 54 Prozent. Ein Tipp aus dieser Zeit sollte im zweiten Basis-Ultraschall bestätigt werden.
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