Die Augenfarbe deines Babys ändert sich meist zwischen dem 3. und 9. Lebensmonat, oft um den 6. Monat herum. Danach wird der Wandel langsamer, endgültig ist die Farbe aber oft erst mit etwa einem Jahr, manchmal erst mit drei. Wie sie vererbt wird, lässt sich nur grob abschätzen: An der Augenfarbe sind mehrere Gene beteiligt, und deshalb können sogar zwei blauäugige Eltern ein Kind mit braunen Augen bekommen.
Unten findest du die Zeitleiste Monat für Monat, eine Tabelle mit echten Zahlen aus Familienstudien und die Fälle, in denen du mit einer Augenveränderung zum Arzt gehen solltest.
Welche Augenfarbe Babys bei der Geburt haben
Die meisten Neugeborenen haben nicht blaue, sondern braune Augen. Eine Studie der Stanford University untersuchte 192 gesunde, reif geborene Babys in einer gemischten Bevölkerung (Ludwig und Kollegen, Acta Ophthalmologica, 2016):
| Augenfarbe bei der Geburt | Anteil |
|---|---|
| braun | 63,0 % |
| blau | 20,8 % |
| grün oder haselnuss | 5,7 % |
| nicht eindeutig | 9,9 % |
| teilweise zweifarbig | 0,5 % |
Wie viele Babys blaue Augen haben, hängt stark von der Herkunft ab. Blaue, graue und grüne Augen sind laut dem Genetiker John McDonald nur bei Menschen mit europäischen Vorfahren häufig. In Familien mit solchen Wurzeln dürfte der Anteil blauer Babyaugen also höher liegen als in Stanford. Eine Erhebung für Deutschland gibt es dazu nicht.
Ab wann bleibt die Augenfarbe? Die Zeitleiste
Die Farbe der Iris kommt vom Pigment Melanin, und die Zellen, die es bilden, arbeiten nach der Geburt noch eine ganze Weile weiter. Die American Academy of Pediatrics schreibt, dass sie dafür etwa ein Jahr brauchen.
| Alter | Was meist passiert |
|---|---|
| Geburt bis 3 Monate | Die meisten Babys haben schon braune Augen (siehe oben). Augen, die später braun werden, wirken laut AAP im ersten Halbjahr oft „trüb”. |
| 3 bis 9 Monate | Die Hauptphase der Veränderung, oft um den 6. Monat herum (Cleveland Clinic). |
| ab 6 Monaten | Der Wandel wird langsamer, kann aber noch deutlich sein. |
| etwa 1 Jahr | Die pigmentbildenden Zellen sind laut AAP weitgehend fertig. |
| bis 3 Jahre | Bei manchen Kindern verschiebt sich der Ton noch, bis die endgültige Farbe feststeht (Cleveland Clinic). |
Blaue Augen bei der Geburt sind deshalb keine Garantie für blaue Augen später, schreibt die Cleveland Clinic. Bildet die Iris im ersten Jahr nur wenig Melanin, bleiben die Augen blau; kommt mehr dazu, werden sie grün, haselnussbraun oder braun.
Wie die Augenfarbe vererbt wird
Die Augenfarbe hängt nicht an einem einzelnen Gen. MedlinePlus Genetics nennt zwei Hauptgene, OCA2 und HERC2, und acht weitere mit kleinerem Einfluss. OCA2 hilft, das Pigment Melanin zu bilden und zu speichern. HERC2 wirkt wie ein Schalter, der OCA2 stärker oder schwächer aktiviert.
Die Regel aus dem Biologieunterricht, „Braun ist dominant, Blau ist rezessiv”, ist deshalb nur eine grobe Faustregel. Sie erklärt, warum blauäugige Eltern meistens blauäugige Kinder haben. Sie erklärt nicht, warum es Ausnahmen gibt. MedlinePlus sagt es klar: Es ist ungewöhnlich, aber Eltern mit blauen Augen können Kinder mit braunen Augen haben.
Wahrscheinlichkeit nach Augenfarbe der Eltern: echte Zahlen
Online-Rechner geben dir eine Prozentzahl auf die Kommastelle, doch dahinter steckt meist das vereinfachte Ein-Gen-Modell. Ehrlicher sind die wenigen Familienstudien, die tatsächlich Eltern und Kinder gezählt haben. Der Genetiker John McDonald von der University of Delaware hat sie zusammengetragen. Die größte stammt von Hurst (1908) und teilt Augen nur in „blau” und „nicht blau” ein:
| Augenfarbe der Eltern | Kinder mit nicht blauen Augen | Kinder mit blauen Augen | Anteil blau |
|---|---|---|---|
| beide nicht blau (braun, grün, haselnuss) | 240 | 18 | ca. 7 % |
| einer nicht blau, einer blau | 187 | 137 | ca. 42 % |
| beide blau | 0 | 101 | 100 % in dieser Studie |
Die letzte Zeile ist der Haken. Andere Studien fanden sehr wohl Kinder mit dunkleren Augen bei zwei blauäugigen Eltern: Holmes und Loomis (1909) 3 von 52, Boas (1918) sogar 26 von 223, also gut jedes neunte Kind.
So liest du die Tabelle richtig:
- Die Zahlen sind über 100 Jahre alt und stammen aus Familien europäischer Herkunft. Für andere Herkunftsgruppen gelten sie nicht.
- „Nicht blau” fasst Grün, Haselnuss und Braun zusammen. Wie wahrscheinlich gerade Grün ist, verrät sie nicht.
- Für deine Familie zählen die Großeltern mit. Haben zwei braunäugige Eltern je einen blauäugigen Elternteil, steigt die Chance auf blaue Augen beim Kind.
Wann eine Veränderung ein Fall für den Arzt ist
Langsames Nachdunkeln im ersten Jahr ist normal. Zwei Dinge sind es nicht:
- Ein weißer Pupillenreflex auf Fotos. Leuchtet auf einem Blitzfoto eine Pupille weiß, während die andere rot ist, spricht man von Leukokorie. Die amerikanische Fachgesellschaft für Kinderaugenheilkunde AAPOS schreibt, ein Kind damit sollte sofort augenärztlich untersucht werden, weil manche Ursachen das Sehen oder sogar das Leben bedrohen.
- Eine plötzliche Farbveränderung. Die Cleveland Clinic rät, eine plötzliche Veränderung der Augenfarbe zügig ärztlich abklären zu lassen.
Auch zwei unterschiedlich gefärbte Augen solltest du bei der nächsten U-Untersuchung ansprechen. Die Kinderärztin oder der Kinderarzt schaut sich die Augen dort ohnehin an.
Augenfarbe im vorgestellten Babyporträt
Bei SeeMyBaby kannst du beim Einstieg angeben, dass dich die Augen am meisten interessieren. Beim Porträt aus Elternfotos lädst du ein Foto von jedem Elternteil hoch, und die App stellt sich ein Neugeborenes vor, das Züge von beiden verbindet, mit besonderem Blick auf die Augen.
Was die App nicht kann: Sie berechnet keine Augenfarbe und weiß nichts über die Augen eurer Großeltern. Das Porträt ist ein vorgestelltes Bild zum Spaß. Und wie die Zeitleiste oben zeigt, kennt nicht einmal die Natur die endgültige Farbe deines Babys vor dem ersten Geburtstag sicher.
Wie andere Merkmale vererbt werden, liest du in Vererbung: Welches Aussehen erben Kinder?. Wie es mit den Haaren läuft, steht in Haarfarbe beim Baby, und wie sich das ganze Gesicht bis zum vierten Geburtstag wandelt, in Wie sich das Babygesicht verändert. Mehr Artikel findest du im SeeMyBaby-Blog.
Quellen
- Ludwig CA et al.: What colour are newborns’ eyes? Prevalence of iris colour in the Newborn Eye Screening Test (NEST) study. Acta Ophthalmologica, 2016.
- American Academy of Pediatrics, HealthyChildren.org: Newborn Eye Color und How Your Newborn Looks.
- Cleveland Clinic: When do babies’ eyes change color?
- MedlinePlus Genetics (NIH): Is eye color determined by genetics?
- McDonald JH: Myths of Human Genetics: Eye color. University of Delaware, 2011.
- AAPOS: Leukocoria.
Was Eltern oft fragen
Wann sieht man, welche Augenfarbe ein Baby bekommt?
Meist zwischen dem 3. und 9. Monat, oft um den 6. Monat. Ganz sicher ist die Farbe aber oft erst mit etwa einem Jahr, bei manchen Kindern erst mit drei Jahren.
Wie lange bleiben blaue Augen beim Baby?
Das ist bei jedem Kind anders. Sind die Augen mit etwa einem Jahr noch blau, bleiben sie es meistens, kleine Verschiebungen bis zum dritten Lebensjahr sind aber möglich.
Können braunäugige Eltern ein Kind mit blauen Augen haben?
Ja. In der Familienstudie von Hurst hatten etwa 7 Prozent der Kinder zweier Eltern ohne blaue Augen blaue Augen, also rund jedes vierzehnte.
Kann man die Augenfarbe des Babys berechnen?
Nur grob. Weil mehrere Gene beteiligt sind, geben Rechner bestenfalls eine Tendenz an, keine verlässliche Prozentzahl.
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