Die Haarfarbe, mit der dein Baby zur Welt kommt, ist selten die endgültige. Fast alle Babys verlieren in den ersten Monaten einen Teil ihrer Haare, und was nachwächst, kann mehrere Töne heller oder dunkler sein. Einen festen Stichtag gibt es nicht: Bei vielen Kindern verändert sich die Haarfarbe bis ins Schulalter, und hellblonde Kinder haben als Teenager oft dunkleres Haar.
Hier liest du, was in welchem Alter passiert, wie die Haarfarbe vererbt wird und warum ein Haarfarben-Rechner dir nicht mehr als eine Tendenz liefern kann.
Warum Babyhaare in den ersten Monaten ausfallen
Haarausfall in den ersten Lebensmonaten ist normal. Die American Academy of Pediatrics schreibt, dass fast alle Babys in den ersten Monaten einen Teil ihrer Haare verlieren, manche sogar alle, und dass die Haare im Lauf einiger Monate normal nachwachsen.
Der Grund sind laut Cleveland Clinic die Hormone: Mit etwa drei Monaten sind die Hormone aus der Schwangerschaft aus dem Körper des Babys verschwunden, und mit ihnen fallen viele Haare aus.
Zwei Dinge, die Eltern oft verunsichern:
- Die kahle Stelle am Hinterkopf. Babys, die viel auf dem Rücken liegen, verlieren dort oft mehr Haare. Die Stelle wächst laut Cleveland Clinic zu, sobald sich das Baby selbst dreht und sitzt.
- Der Flaum am Körper. Das feine Lanugo-Haar an Rücken, Schultern oder Wangen ist etwas anderes als das Kopfhaar. Es verschwindet meist in den ersten Wochen.
Wann sich die Haarfarbe festlegt: die Zeitleiste
Die Haarfarbe entwickelt sich über Jahre, nicht über Wochen. Die Tabelle zeigt, was in welchem Alter typisch ist.
| Alter | Was meist passiert | Quelle |
|---|---|---|
| Geburt | Viele Haare, wenige oder fast keine: Das ist von Baby zu Baby verschieden. | – |
| bis etwa 6 Monate | Die Geburtshaare dünnen deutlich aus, oft um den 3. Monat. | AAP, Cleveland Clinic |
| ab einigen Monaten | Neue Haare wachsen nach, oft in einem anderen Ton als die ersten. | AAP |
| Kleinkind- und Schulalter | Die Farbe kann sich weiter um einige Nuancen verschieben. | AAP |
| bis zur Pubertät | Blonde Kinder europäischer Herkunft haben oft dunkleres Haar. Vermutet wird ein Einfluss der Hormone um die Pubertät. | MedlinePlus |
Wenn dein Baby also mit dunklem Schopf geboren wird und mit einem Jahr hellblond ist, oder umgekehrt, ist das kein Widerspruch. Die AAP schreibt, dass Haare ihre Farbe im Lauf des Lebens um mehrere Töne ändern können, manchmal mehrmals.
Wie die Haarfarbe vererbt wird
Die Haarfarbe hängt davon ab, welche Art von Pigment und wie viel davon die Haarzellen bilden. MedlinePlus Genetics unterscheidet zwei Formen:
- Eumelanin macht Haare braun oder schwarz. Wenig davon ergibt Blond.
- Phäomelanin macht Haare rot.
Das am besten erforschte Gen ist MC1R. Es entscheidet mit, ob die Zellen eher Eumelanin oder eher Phäomelanin bilden. Jeder Mensch hat zwei Kopien, eine von jedem Elternteil. Wer zwei funktionierende Kopien hat, hat meist braune oder schwarze Haare. Ist eine Kopie verändert, können Rotblond, Kastanienrot oder Rot herauskommen. Sind beide verändert, sind die Haare laut MedlinePlus fast immer kräftig rot.
MC1R ist aber nur ein Teil. Viele weitere Gene beeinflussen, wie viel Pigment entsteht und welcher Ton am Ende sichtbar wird. Deshalb gibt es so viele Abstufungen zwischen Hellblond und Schwarz.
Rote Haare: das beste Beispiel für Überraschungen
Rote Haare tauchen in Familien oft scheinbar aus dem Nichts auf. Der Genetiker John McDonald von der University of Delaware hat die Familienstudien dazu zusammengefasst:
- Schon 1909 dokumentierten Forschende viele Fälle, in denen zwei braunhaarige Eltern ein rothaariges Kind bekamen. Beide Eltern trugen dann vermutlich eine veränderte MC1R-Kopie, ohne selbst rot zu sein.
- Umgekehrt hatten in einer Studie von 1943 13 von 114 Kindern zweier rothaariger Eltern keine roten Haare.
- Selbst das Erbgut allein reicht nicht für eine sichere Aussage: In einer großen isländischen Studie hatte etwa ein Drittel der Menschen, für die nach MC1R rote Haare zu erwarten waren, tatsächlich blonde oder braune Haare.
McDonalds Fazit: Rote Haare sind kein einfaches Erbmerkmal, weil neben MC1R auch die Gene für das braune Pigment mitreden.
Haarfarbe berechnen: was ein Rechner leisten kann
Ein Haarfarben-Rechner kann dir nur eine Tendenz zeigen, keine verlässliche Prozentzahl. Für belastbare Zahlen fehlen schlicht die Studien, und die vielen beteiligten Gene machen jede Formel ungenau. Als grobe Orientierung, abgeleitet aus dem, was MedlinePlus und McDonald beschreiben:
| Eltern | Wahrscheinlich | Möglich, aber seltener |
|---|---|---|
| beide dunkel | dunkles Haar | blond oder rot, wenn beide entsprechende Varianten tragen |
| beide blond | helles Haar, das mit den Jahren nachdunkeln kann | dunkleres Haar |
| einer dunkel, einer blond | alles zwischen Blond und Dunkelbraun | – |
| beide rot | rotes Haar | blond oder braun |
| einer rot, einer nicht | meist nicht rot; eine veränderte MC1R-Kopie bekommt das Kind aber fast sicher, was Rotblond oder Kastanienrot ergeben kann | kräftig rot, wenn der andere Elternteil ebenfalls eine veränderte Kopie trägt |
Am meisten verrät oft ein Blick in die Fotoalben: Welche Haarfarben hatten die Großeltern als Kinder? Und welche Farbe hattet ihr selbst mit drei oder vier Jahren, nicht heute?
Haare im vorgestellten Porträt
In SeeMyBaby kannst du beim Einstieg angeben, dass dich die Haare am meisten interessieren. Beim Porträt aus Elternfotos lädst du ein Foto von jedem Elternteil hoch, und die App stellt sich ein Neugeborenes vor, das Züge von euch beiden verbindet.
Das Bild ist ein vorgestelltes Porträt zum Spaß, keine Berechnung. Die App weiß nicht, welche Varianten ihr tragt, und kann den rothaarigen Urgroßvater nicht kennen. Die Zeitleiste oben zeigt außerdem: Selbst ein echtes Neugeborenenfoto verrät nicht, welche Haarfarbe dein Kind mit vier Jahren hat.
Wie sich Locken vererben, liest du in Locken: Wie wird lockiges Haar vererbt?. Die Augen behandelt Augenfarbe beim Baby, den großen Überblick gibt Vererbung: Welches Aussehen erben Kinder?. Alle Artikel stehen im SeeMyBaby-Blog.
Quellen
- MedlinePlus Genetics (NIH): Is hair color determined by genetics?
- MedlinePlus Genetics (NIH): MC1R gene
- American Academy of Pediatrics, HealthyChildren.org: Hair Loss (Alopecia) und Your Baby’s Head.
- Cleveland Clinic: Why is my baby hairy?
- McDonald JH: Myths of Human Genetics: Hair color. University of Delaware, 2011.
- Costigan KA et al.: Pregnancy folklore revisited: the case of heartburn and hair. Birth, 2006.
Was Eltern oft fragen
Wann steht die Haarfarbe beim Baby fest?
Nicht zu einem festen Zeitpunkt. Die Geburtshaare fallen oft in den ersten Monaten aus, die neuen können anders aussehen, und blonde Kinder dunkeln häufig bis zur Pubertät nach.
Werden Babyhaare heller oder dunkler?
Beides kommt vor. Die nachwachsenden Haare können mehrere Töne heller oder dunkler sein als die ersten, und bei blonden Kindern ist ein Nachdunkeln in späteren Jahren häufig.
Hat Sodbrennen in der Schwangerschaft etwas mit den Haaren des Babys zu tun?
Eine kleine Studie mit 64 Frauen fand tatsächlich einen Zusammenhang: Frauen mit mittlerem oder starkem Sodbrennen bekamen öfter Babys mit viel Haar (Costigan und Kollegen, 2006). Über die Haarfarbe sagt das nichts.
Können zwei dunkelhaarige Eltern ein rothaariges Kind bekommen?
Ja. Tragen beide eine veränderte Kopie des Gens MC1R, ohne selbst rot zu sein, kann ihr Kind rote Haare bekommen.
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